Unsere Volontäre

Bericht Volontariat Helen Herzog

Meine Zeit als Volontärin bei DEWI SARASWATI in Indien

(04.09.2013 – 24.01.2014)

Nach dem Abitur will ich für längere Zeit nach Indien und dort mit Kindern arbeiten! Das stand schon seit meinem letzten Aufenthalt in Indien eindeutig fest. Ich war zum dritten Mal bei Freunden in Kerala zu Besuch und konnte mich nach den zwei Wochen dort, gar nicht mehr von dem faszinierenden Leben, mit der spannenden Kultur, den über 100 verschiedenen Sprachen und Dialekten und den interessanten Bräuchen, losreißen. Die Entscheidung das Land für eine längere Zeit zu bereisen und es durch ein Volontariat „richtig“ kennen zu lernen, stand fest. Es sollte nicht nur ein kurzer Besuch bei Bekannten werden, ich wollte den Menschen des Landes dort helfen, wo dringend Hilfe benötigt wird. Also habe ich mich nach verschiedenen Projekten in Indien im Internet erkundigt und mich auch bei einigen beworben. In der Theorie war irgendwie alles einfacher als in der Praxis... Keines der Projekte wollte Praktikanten einstellen oder hatte bereits welche eingestellt. Ich hatte schon fast die Hoffnung aufgegeben, als meine Mutter durch Zufall in einem Fernsehbericht auf das Projekts DEWI SARASWATI stieß. Als ich dort anrief, wurde mir gesagt, dass das Projekt eigentlich keine Volontäre mehr einstellt, meine Bewerbungsunterlagen darf ich aber trotzdem gerne übersenden. Nach ein paar Wochen kam dann die freudige Nachricht: DEWI SARASWATI lud mich nach Hamburg zu einem Gespräch ein, da sie den Versuch mit einer Praktikantin doch noch einmal wagen wollen. Das Treffen verlief super, alle Vorstandsmitglieder waren mir auf Anhieb sehr sympathisch und auch das Projekt entsprach genau meinen Vorstellungen. Schnell stand fest, dass ich im September 2013 mein 5 monatiges „Abenteuer Indien“ im DSI starten werde.

Am 03.09.2013 ging es dann los. Von Frankfurt aus flog ich über Abu Dhabi nach Chennai, wo am Flughafen bereits zwei Inderinnen mit einem, mit meinem Namen beschrifteten, Schild auf mich warteten. Die ganze Aufregung und die Zweifel, die ich zuvor noch im Flugzeug hatte, wurden langsam von der Vorfreude, das Kinderdorf und die Kinder endlich zu sehen, übermannt. Ganz im indischen Stil ging es mit dem Taxi kreuz und quer durch Chennai, dann auf den Highway und langsam in eine ländlichere Gegend, bis wir gegen 5h Morgens das Kinderdorf erreichten. Dort angekommen, bezog ich mein neues vorübergehendes Zuhause. Das Zimmer gefiel mir gut, es war viel schöner, als ich es mir ausgemalt hatte. Nach der langen Reise ruhte ich mich zuerst mal ein wenig aus. Nach ein paar Stunden wurde ich zum Frühstück geweckt. Es gab Iddly mit Kokosnuss-Chilly-Chutney und ein paar von den leckeren kleinen Bananen. An ein warmes, deftiges Frühstück muss ich mich wohl noch gewöhnen (das hab ich bis zum Schluss nicht wirklich geschafft), aber die Bananen waren super. Nach dem Frühstück hat sich mir Ruby vorgestellt und die Sozialarbeiterin hat mir das Gelände gezeigt. In den beiden Schulen wurde ich von jeweils einer Lehrerin durch die Klassen geführt und durfte mich dort den Schülern vorstellen. Am Nachmittag hatte ich ein Treffen mit der Teaching-Koordinatorin. Mit ihr habe ich mich über die meine Aufgaben der nächsten 5 Monate unterhalten. Hauptsächlich werde ich in der Grundschule, also in den zwei Vorschulklassen und in der I-V Klasse, Englische Konversation unterrichten.

In Deutschland hatte ich bereits ein 9-wöchiges Praktikum in einer Grundschule absolviert, also hatte ich schon einige Vorkenntnisse. Trotzdem ist die Indische Schule mit einer Deutschen nicht zu vergleichen. Die Kinder, die die Hawischar Happy Nursery and Primary School besuchen, leben entweder in den benachbarten Dörfern oder im Kinderdorf selbst. Oft haben sie nicht genug zu Essen oder kein sauberes Trinkwasser. Viele der Kinder leben in schwierigen Familienverhältnissen oder sind Waisen. Selbst die Schüler, die die Vorschulklassen besuchen, haben bis zu 8 Schulstunden am Tag Unterricht. Trotzdem sind die Kinder dort so wissensdurstig und auch disziplinierter, als viele Kinder an Deutschen Grundschulen.

In der ersten Woche saß ich zunächst im Unterricht beobachtete, um zu sehen, wie die Schüler sind und wie die Lehrer in Indien unterrichten. Dann bekam ich einen Stundenplan mit drei Stunden täglich, später wurde er zu vier Unterrichtsstunden pro Tag erweitert.

In allen Klassen unterrichtete ich Englische Konversation. In den beiden Vorschulklassen verwendete ich viele meiner zuvor vorbereiteten Teaching-Aids, um den Schülern neue Vokabeln näher zu bringen. Ich zeigte ihnen ein Bild und brachte den Kindern fünf Sätze (durch Bewegungen oder zusätzliche Bilder) zu jeder der Bildkarten bei. Um das Wissen der Kinder zu prüfen, wurden die Schüler einzeln oder in Gruppen zu den Bildern abgefragt. So saßen innerhalb kürzester Zeit mehr als 50 Sätze, welche viele Wörter des Englischen Grundwortschatzes beinhalten. Außerdem brachte ich den Vorschülern Deutsche und Englische Kinderlieder und einfache Englische Reime bei. Durch dieses spielerische Unterrichten hatten die Kinder sehr viel Spaß am lernen und lernten sehr schnell. Außerdem habe ich den Schülern durch Plakate die verschiedenen Farben und Ortspräpositionen näher gebracht.

In den höheren Klassen (I-V Klasse) habe ich durchgenommen, wie man sich selbst vorstellt und wie man Bilder richtig beschreibt. Die Schüler konnten ihre Ergebnisse paarweise oder alleine vor der Klasse vorführen. Ebenso erklärte ich den Kindern, was WH-questions sind und wie man diese verwendet. Mit Hilfe von Plakaten und Bewegungen brachte ich den Kindern gegenteilige Wörter und Ortspräposition bei. Zwischendurch erzählte ich auch kurze Geschichten auf Englisch und stellte den Schülern fragen zu der Story, die sie dann auf Englisch beantworten sollten.

Wöchentlich fanden Lehrerversammlungen statt, in welchen zusammen mit der Teaching-Koordinatorin über die aktuelle Schulsituation diskutiert wurde. In einer der Versammlungen wurde erklärt, dass manche Schüler der höheren Klassen immer noch Probleme beim Lesen von Englischen Texten haben. Meine Aufgabe war es, den Lehrern dabei zu helfen, den Schülern die 100 wichtigsten Basiswörter des Englischen beizubringen. Wenn die Kinder diese Wörter sehen, sollten sie wissen, wie sie ausgesprochen werden, was die Bedeutung des Wortes ist und wie es richtig geschrieben wird.

Im Rahmen einer Projektarbeit in der IV und V Klasse hatten die Kinder die Möglichkeit selbst eine kleine Englische Geschichte, zu zuvor ausgemalten Malbuchauszügen, zu schreiben. Auch in der II und III Klasse fand eine Projektarbeit statt, um den Schülern einen abwechslungsreichen Unterricht zu bieten. Zunächst diskutierte ich mit den Kindern über ihre Lieblingsdinge, wie Farben, Tiere etc. Danach hatten die Schüler die Möglichkeit eigenständig (und mit meiner Hilfe, wenn nötig) ein Plakat zu ihren Lieblingsdingen zu gestalten. Um den Unterricht anspruchsvoll und abwechslungsreich zu gestalten, verwendete ich verschiedene Teaching-Aids, wie Bilder und Plakate. Außerdem zeigte ich Videos passend zum Thema, spielte Konzentrationsspiele mit den Kindern oder sang Lieder mit ihnen.

Am Nachmittag habe ich den Unterricht für die folgenden Tage vorbereitet und die Zeit mit den Heimkindern verbracht. Mit den jüngeren Kindern habe ich verschiedene Spiele, wie Ballspiele, Frisbee oder Seilspringen gespielt oder auch gebastelt und gemalt. Den älteren Mädchen half ich bei ihren Hausaufgaben und beim Lernen. Am Abend unterrichtete ich die Schüler der Klassen IX – XII in Englischer Grammatik und half ihnen bei Fragen zum Unterricht oder den Hausaufgaben. Ich fragte die Kinder auf Wunsch ab und bereitete sie auf die nächsten Stunden und Tests vor.

Zu meinen Aufgaben im DSI gehörte auch die Betreuung von Besuchern des Kinderdorfs und das Herumführen dieser. Außerdem half ich beim Vorbereiten und im Ablauf von verschiedenen Veranstaltungen, wie zum Beispiel dem Sportfest, der Weihnachtsfeier und den verschiedenen Feiertagsveranstaltungen. Ich war als Betreuungskraft bei Arztbesuchen und Ausflügen dabei. So war ich beispielsweise mit der Krankenschwester und einigen der Heimkinder zur Augenuntersuchung in Chennai, im Rahmen eines Grundschulausflugs im Zoo von Vandalur, für einen Spiele-Nachmittag der Heimkinder während der Ferien in Mahabalipuram und zum Kaufen der Weihnachtsgeschenke für die Heimkinder und Ehrengäste der Weihnachtsveranstaltung in Chennai. Ebenso hielt ich auf Wunsch der Teaching-Koordinatorin einen Vortrag vor ca. 140 Studenten in der Universität in Chennai, zu dem Thema „Das Deutsche und das Indische Schulsystem im Vergleich“.

Eine willkommene Abwechslung gab es für mich, als Annie und Anja im November das Projekt besuchten. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, mit den beiden zusammen zu arbeiten und mal wieder Deutsche Gesellschaft zu haben. Außerdem bekam ich einen Einblick, wie viel Arbeit in einem solchen Projekt, wie DSI/DSH steckt. Alle der Vorstandsmitglieder arbeiten ehrenamtlich in diesem Projekt mit und haben daneben noch ihre Arbeit zu bewältigen. Trotzdem arbeiten alle der Mitglieder mehr als engagiert an diesem Projekt, was meiner Meinung nach ganz großen Respekt verdient!

Mit den Lehrern und Mitarbeitern des Kinderdorfes habe ich mich immer sehr gut verstanden. Alle waren immer sehr freundlich zu mir und haben mir bei Fragen oder Problem sofort und selbstverständlich geholfen. Vor allem zu den Lehrerinnen der Grundschule habe ich ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut und neue Freundschaften sind entstanden. Auch mit Ruby James kam ich gut zurecht. Sie war bei Problemen und Fragen immer für mich da und bot mir einen sehr guten Einblick in das „wahre“ Leben Indiens. So hatte ich die Möglichkeit die Dörfer zu sehen, in denen viele meiner Schüler leben; in Lehmhütten mit Palmblattdächern, teilweise ohne Strom und fließend Wasser (unvorstellbar, wenn man den Deutschen Standard gewohnt ist). Ich hatte die Chance eine typisch Indische Hochzeit zu besuchen und sah viele andere Projekte und interessante Dinge durch Ruby James. Durch die Zusammenarbeit mit ausschließlich Indischem Personal hatte ich die Möglichkeit Indien von einer ganz anderen Seite, als bisher kennen zu lernen. Die vielen Unterschiede zur Deutschen Kultur und die Diversität innerhalb der Indischen Kultur wurden mir während meines Volontariats immer wieder vor Augen geführt.

Durch mein Praktikum im DSI hatte ich die Chance, den Indischen Lebensstil so nah wie möglich zu erleben. Drei mal täglich durfte ich ein super leckeres Essen der Köchin Pushpa genießen. Ich erlebte einige der kulturellen und religiösen Festivitäten der Dorfbewohner und auch der Kinder. Ich konnte erfahren, wie freundlich und hilfsbereit die Inder sind und hatte die Möglichkeit den Alltag der Kinder mit ihnen zu verbringen. Jeden Tag hatte ich Kinder um mich herum, die trotz ihrer unterschiedlichen und teilweise tragischen Familiengeschichten immer ein Lächeln auf den Lippen hatten. Für mich war es sehr schön zu sehen, wie sie auch untereinander miteinander umgehen. Die Atmosphäre war immer liebevoll, geprägt von gegenseitigem Verständnis und Respekt. Ein Gefühl der Zusammengehörigkeit war immer spürbar.

Während meiner Zeit im DSI habe ich sehr viel gelernt. In den ersten Wochen war es nicht immer einfach für mich, weil alles neu war und ich das erste mal so lange von Zuhause fort war. Aber durch die offene und freundliche Art aller Mitarbeiter und natürlich die der Kinder, fühlte ich mich im Kinderdorf sehr schnell Zuhause. Nicht nur über die kulturellen Unterschiede zu Deutschland habe ich während meines Volontariats viel gelernt. Ich hatte auch die Chance zu sehen, wie Schule in Indien abläuft, was mir für meinen späteren Berufswunsch, Grundschullehrerin, sicherlich zu Gute kommen wird. Ich bin mir sicher, dass viele Dinge, die ich in Indien gelernt haben, hilfreich für meine Zukunft (auch außerhalb der Schule) sein werden. Ich hatte eine lehrreiche und wirklich wunderschöne Zeit im DSI in Indien, die ich sehr genossen habe und niemals wieder vergessen werde!

Durch mein Volontariat im DSI wurde ich Teil des Kinderdorfs und des Projekts, dafür möchte ich mich herzlich bei DEWI SARAWATI Hamburg und bei DEWI SARASWATI India bedanken!

Bilder von Helen Herzog

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Bericht Volontariat Franziska Hrusa

Volontariat von August 2008 bis August 2009

Mein Jahr bei DEWI!

Am 23. August 2008 um 3:20h (Ortszeit) landete ich in Chennai; um aus dem Flughafen rauszukommen brauchte ich dann noch einmal zwei Stunden, wegen des langwierigen Visachecks und weil mein Koffer als einer der letzten kam. So bekam ich, noch bevor ich das Land eigentlich betreten hatte eine erste Lektion in „indischer Mentalität“: Gelassenheit und Hinnehmen dessen, was kommt.

Dann war ich endlich in Indien; ein ganzes Jahr in einem mir völlig fremden Land lag vor mir und vom ersten Moment an habe ich so unglaublich viel erlebt und gesehen und durfte die indische Kultur im ländlichen Tamil Nadu mitsamt ihren Schwierigkeiten, Problemen, Feierlichkeiten und Schätzen intensivst Erleben.

Meine schönste und wichtigste Erfahrung in Indien war mein Leben mit den Kindern im Kinderdorf von Dewi Saraswathi India (DSI) und im Ureinwohnerdorf Kollamedu.

Die Kinder umgaben mich ständig, wollten tanzen, singen, spielen, malen oder auch Hilfe beim Lernen. Sie haben mir den Einstieg und das Leben in einem so fernen Land sehr leicht gemacht und auch wenn der Alltag manchmal anstrengend oder auch frustrierend war: Ich wusste, dass ich bei den Kindern immer willkommen bin und sie schafften es immer mich aufzuheitern.

In diesem wundervollen Jahr drehte sich alles immer um die Kinder, ihren Unterricht, ihr Freizeit- und Ferienprogramm, ihre Mahlzeiten, ihre Schlafenszeiten, ihre Streits und Späße, doch allein durch die vielen kleinen Lernerfolge, ihre Anwesenheit und stille Dankbarkeit wusste ich, dass sich all meine Anstrengungen mehr als gelohnt haben.

Jetzt wo ich wieder in Deutschland bin vermisse ich die Kinder am meisten, doch durch meine Arbeit im Verein kann ich ihnen weiterhin etwas geben und ihnen damit ein Stückchen näher sein.

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Bericht Volontariat Johanna Schepp

Volontariat von Januar bis März 2009, Kilawedu

Eigentlich bin ich schon öfter geflogen, auch weiter weg, aber bisher nur einmal allein. Diesmal war es genau so komisch wie beim ersten Mal, ich kannte keine Mitreisenden, das Land und die Sprache waren mir fremd und ich wusste nicht so recht, was ich fühlen sollte. Man freut sich und versucht nicht daran zu denken, was wäre wenn doch nicht alles so toll ist.

Zum perfekten Einstieg hatte mein Flug dann noch Verspätung, so dass ich den Anschlussflug verpasst habe, und in Südindien jemand mitten in der Nacht vergeblich auf mich wartete. Doch auch als ich am nächsten Morgen endlich in Chennai ankam empfing man mich freundlich und brachte mich trotz zahlreicher Schlaglöcher wohlbehalten ins Kinderdorf. Auch dort wurde ich sehr offen und freundlich begrüßt, von Franzi und Marett, zwei deutschen Volontärinnen, die der laute Jeep um halb 5 Uhr morgens geweckt hatte. Der Fahrer wurde nach Hause entlassen und Franzi und Marett versuchten mir jeden Wunsch von den Augen abzulesen.

Die Beiden waren aber nicht die einzigen, die mir das Einleben leicht gemacht haben. Von Anfang an wurde ich von allen herzlich begrüßt und vor allem von den vielen Kindern neugierig beäugt, bekuschelt und ausgefragt. Direkt am ersten Tag habe ich die wichtigsten Vokabeln von den indischen Mädels gelernt: Nasenstecker – Múkoti, Ohrring – Cámbal, Haare, Augen, Nase, Arm, Bein… Scheu war im Kinderdorf niemand. Ruby, die Heimleiterin zwickte mich zur Begrüßung erst einmal liebevoll in meine Wangen, was mich aber bei ihrem Anblick nicht wirklich überraschte.

Franzi und Marett zeigten mir das gesamte Kinderdorf und ließen mich an ihrem Wissen teilhaben. Schnell war klar, was ich in den zwei Monaten meines Aufenthalts als Aufgabe hatte. Ich sollte mich um den Computerunterricht in der Grundschule und im Heim kümmern. Eine sehr schöne Aufgabe, da die Kinder nichts so sehr interessierte, wie Computer. Viele der Kinder hatten einen PC noch nie angefasst, geschweige denn bedient und waren fasziniert von der Technik und den damit verbundenen Möglichkeiten. Allerdings ist das indische Schulsystem völlig anders als das Deutsche und ich musste mich in meinen Erwartungen an die Kinder völlig umstellen.

Insgesamt habe ich in durch die Arbeit mit den Kindern, den Erlebnissen mit den Menschen, Ausflügen in die Umgebung und Gesprächen mit Ruby in den zwei Monaten ein gutes Gefühl für Süd-Indien bekommen. DEWI SARASWATI bot mir die Chance, hinter die Kulissen zu blicken und festzustellen, dass viele Menschen ähnliche Probleme und Sorgen haben wie Familien in Deutschland, wenn auch natürlich in einem anderen Rahmen. Grade das Miteinander, die Freizeitgestaltung, das Lernen oder gemeinsame Abendessen mit den Kindern, haben mir viel Freude bereitet. Meine Sorgen vom Anfang waren völlig unbegründet, denn ich habe mich keine einzige Minute unwohl gefühlt. Die Zeit, die eh viel zu kurz war, verging wie im Flug und mein Aufenthalt war schneller zu Ende, als mir lieb war. Ich denke auch jetzt, über ein Jahr später, noch sehr oft an die Kinder und die Leute vor Ort, besonders an ihre Eigenheiten und Probleme, ihr Lachen und ihre wunderbare Offenheit anderen Menschen gegenüber.

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Bericht Volontariat

Von November 2017 bis Februar 2018 hatte ich die Chance als Volontärin das DEWI SARASWATI Kinderdorf in Tamil Nadu, Südindien, besuchen zu dürfen. Um Ihnen einen Einblick in meine Zeit dort zu ermöglichen, möchte ich ein paar Ausschnitte meines Tagebuches mit Ihnen teilen.

7. November 2017

Mein erster ganzer Tag im Kinderdorf! Heute Morgen – naja, was heißt morgen, es war nachts! Also 5:00 nämlich – bin ich aufgestanden, um in der Küche zu helfen, das hatte ich gestern Abend mit einem Mädchen hier ausgemacht. Ich habe also Gemüse geschnitten und mir ungefähr 500-mal in die Finger. Danach hat mich ein Mädchen gefragt, ob ich ihr die Haare machen kann: Flechten ging noch, doch bei der komplizierten Schleife habe ich wieder versagt. Da ich noch nicht wusste, was ich nach meinem Frühstück (Reis) machen sollte, habe ich erstmal ausführlich geduscht. Die ist zwar kalt, aber das ist okay, denn es ist ja relativ warm hier. Plötzlich hat es an der Tür geklopft und panisch bin ich in meine Klamotten gesprungen, um der Leiterin der High-School zu öffnen. Sie hat mich mit auf eine kleine Treppe mitgenommen und allen Schüler*innen und Lehrer*innen vorgestellt. Zurück in meinem Zimmer musste ich dann feststellen, dass ich die ganze Zeit mein Shirt falsch rum anhatte; zum Glück waren nur ca. 150 Leute anwesend und die Situation deswegen gar nicht peinlich… […] Zusammen mit Sugantha, der Teaching-Koordinatorin der Grundschule (wo ich arbeiten werde), habe ich dann einen Stundenplan für mich erstellt: Vormittags soll ich in der Schule helfen, dann nach dem Mittagessen Ruby James im Büro helfen und abends bei den Hausaufgaben helfen. Außerdem soll ich an zwei bis drei Tagen Ballett unterrichten. Zunächst habe ich aber noch ein bisschen Schonfrist, um mich einzuleben.

11. November 2017

Da heute rain holiday in der Primary war, habe ich vormittags meine Zeit mit den Mädels, die hier waren und keine Schule hatten, verbracht. Wir haben gemalt, getanzt und Spiele gespielt und hatten super viel Spaß – auch weil ich mich sehr ungeschickt bei den indischen Tänzen angestellt habe. Dann haben sie mir versucht Tamil beizubringen und ein paar Schriftzeichen, aber für mehr als Hallo zu sagen und meinen Namen zu schreiben hat’s nicht gereicht. Am Ende haben sie mir jede ein Bild geschenkt und das hat mich so gefreut, weil ich wirklich das Gefühl hatte, dass sie mich mögen. Der Tag war wirklich so schön, auch weil ich richtig gemerkt habe, wie glücklich die Kinder hier sind und wie stark die Gemeinschaft ist – aber vor allem, weil ich jetzt schon merke, dass ich ein Teil davon werde und das ist so wunderbar!

20. November 2017

Heute habe ich das erste Mal unterrichtet – und es war ein Reinfall. Zuerst war ich im Kindergarten und naja, dreißig Kinder, die einen nicht verstehen und entsprechend gelangweilt sind, sind nicht einfach. Mit Hilfe von Malamalar, der Klassenlehrerin, habe ich dann doch noch ein paar Konversationsübungen machen können, aber ich glaube nicht, dass sie irgendwas davon behalten werden. Später in der fünften Klasse war es keinen Deut besser. Hier war weniger das Verstehen die Schwierigkeit, sondern mehr die Konzentration. Die Kinder waren total aufgedreht und haben mir nicht zugehört, sondern nur miteinander geredet – was ja eigentlich genau das Ziel ist, allerdings nicht auf Tamil, sondern Englisch, aber ihnen das zu erklären, funktioniert nicht. Das Problem ist, dass sie es nicht gewohnt sind, auf Fragen zu antworten, sondern immer das nachsprechen, was die Lehrerin sagt, weswegen ein kleines Gespräch (wie ursprünglich mein Plan war) nicht möglich ist.

24. November 2017

Was für ein toller Tag! Zusammen mit Annie, Ruth, Lakshmi, Sugantha und zwei Lehrerinnen sind wir (also alle Mädchen aus dem Kinderdorf und ich) nach Mahabalipuram gefahren. Das ist ein etwa eine Stunde entfernter Ort am Meer, der für seine Felsenreliefs und Tempel bekannt ist. Die haben wir uns erst angeschaut, dann haben wir in einem Park gepicknickt und danach kam der Höhepunkt: Wir sind zum Strand gefahren! Die Mädchen sind sofort in die Brandung gesprungen und haben sich gegenseitig ins Wasser geschubst – in ihrer Schulkleidung. Nach einer Stunde waren wir alle klitschnass und natürlich richtig glücklich wieder im Bus auf dem Weg zurück ins Kinderdorf.

Auch die Weihnachtszeit in Indien war eine sehr schöne für mich – auch weil Annie und Anja für ein paar Wochen ins Kinderdorf kamen und ich somit die Möglichkeit hatte, mich mit ihnen über das Projekt und meine bisherigen Erfahrungen auszutauschen. Die Höhepunkte waren aber natürlich die zwei Weihnachtsfeiern (in den Schulen und im Heim) mit Tänzen, Gesängen, Aufführungen und – wie könnte es anders sein – Geschenken und Santa Claus.

Während der Test Ende Dezember, bei welchen ich einige Kinder beaufsichtigte, bemerkte ich, dass es leider in jeder Klasse ein paar Schüler gibt, die nicht Lesen und Schreiben können. Nach Rücksprach mit Annie und Sugantha begann ich nach den Weihnachtsferien diese Kinder in kleinen Gruppen mit drei bis fünf Schülern zu unterrichten.

24. Januar 2018

Der Unterricht mit meinen Einzelgruppen hat heute wirklich super geklappt; mein Plan für jede Stunde ist erstaunlich gut aufgegangen! Anfangs haben wir ein paar Spiele gespielt, um ein bisschen überschüssige Energie abzubauen und dann habe ich mit dem Unterricht angefangen: Erst die einzelnen Linien des Buchstabens benennen und dann daraus das „A“ zusammensetzten. Dann ein paar Zeilen schreiben und zuletzt Worte, die mit dem jeweiligen Buchstaben anfangen, finden und malen. Zwischendrin habe ich immer wieder versucht, spielerische Elemente einzubauen, damit sich die Jungs nicht so langweilen. Und das hat alles wirklich auch genauso funktioniert; sie waren konzentriert und haben schnell alles verstanden und richtig umgesetzt. Das motiviert weiterzumachen. Ich hoffe echt, dass ich ihnen Lesen und Schreiben (zumindest in Ansätzen) beibringen kann. Das wäre so schön, weil ich dann wirklich etwas bewegt hätte, während meiner Zeit hier.

28. Februar 2018

Jetzt ist er da, der Tag der Abreise. Und es war furchtbar. Ich dachte ja eigentlich, dass ich all meine Tränen schon gestern Abend bei der kleinen Feier, die sowohl die Jungs, als auch die Mädchen für mich gemacht haben, vergossen habe, aber weit gefehlt. Vormittags habe ich fertig gepackt und bin dann in die Primary, um mich von allen zu verabschieden, vor allem natürlich meinen slow learners. Sowohl Dharsith, als auch Dinesh waren nicht da und ich bin so traurig, dass ich mich nicht von ihnen verabschieden konnte. Ich musste wieder so viel weinen, vor allem als ich Prasanth gesehen habe – das war das erste Mal, dass er nicht gelächelt hat, als er mich gesehen hat. Aber auch der Abschied von den Lehrerinnen war nicht einfach; Malamalar hat genauso sehr geweint wie ich. Dann, nach einem verheulten Mittagessen, kam allerdings das Allerschlimmste: Sich zu verabschieden von Suganthi und Sasi. Die zwei sind mir in den letzten Monaten so sehr ans Herz gewachsen und wir sind enge Freundinnen geworden. Entsprechend tränenreich war auch der Abschied, vor allem, weil uns allen klar war, dass das wahrscheinlich kein „Auf Wiedersehen“, sondern ein „Leb wohl“ war, denn selbst wenn ich wirklich in zwei oder drei Jahren wiederkommen kann, dann sind die zwei schon mit der Schule fertig und nicht mehr im Kinderdorf. […] Ich habe noch nie so viel in meinem Leben geweint und mein Herz ist gebrochen. Die Zeit hier war, wenn auch nicht immer einfach, eine der Wichtigsten für mich und ich werde sie immer im Gedächtnis behalten. Die Kinder und auch alle anderen Menschen werden mir so sehr fehlen und ich kann es noch gar nicht begreifen, sie nicht mehr täglich zu sehen. […] Etwas, womit ich nie gerechnet hätte, ist passiert: Ich habe ein Zuhause Tausende von Kilometern weg von München gefunden. Und dafür bin ich so dankbar. Bis hoffentlich ganz bald DSI! ♥